Der Bär-Lauch

Allium ursinumL.

Bär-Lauch Blüten

In manchen Auwäldern kann man, besonders zur Blütezeit ab April bis Juni, die oft großen und dichten Bestände schon aus einiger Entfernung riechen. Diese finden wir dann in den schattigen Bereichen auf humosen, nährstoffreichen, feuchten oder nassen Bär-Lauch Bestand im AuwaldWaldböden. Oft sind es sickerfeuchte Nordhänge in Laub- und Mischwaldschluchten, wo wir auch im März die Märzenbecher vermuten.

Die eigenartig schlanke weiße Zwiebel ist nur etwa 5 mm dick und ca. 3 cm lang. Sie wird aus den untersten Teilen der zwei Blättern gebildet. Die Tochter-Zwiebel bringt nur ein, Blatt hervor. Das fällt aber nicht auf, denn die Pflanzen vermehren sich rasch* und bilden dichte Horste, die allmählich zu flächendeckenden Beständen zusammenwachsen.
Die grundständigen Blätter verbreitern sich zu einer lanzettlichen Blattspreite, die oberseits glänzend frischgrün und deren Unterseite mattgrün gefärbt ist. Beim Zerreiben der Blätter wird der lauchartige Geruch deutlich wahrnehmbar, was ein Erkennungsmerkmal darstellt.
Der blütentragende Stängel ist mehr oder weniger drei-kantig, wird normalerweise etwa 20 cm hoch und gipfelt in einer Knospe, die von einem pergamentartigen Hüllblatt umgeben ist. Die daraus entspringende Scheindolde trägt mehrere gestielte weiße, sechs-sternförmige Blüten. In jeder Blüte sitzt oberständig ein grüner dreiteiliger Fruchtknoten, in dem sechs (in jedem Drittel des Fruchtknotens 2) nahezu halbkugelige, schwarze Samenkörner reifen. Im Gegensatz zum Knoblauch und vielen anderen Laucharten bilden sich in der Scheindolde des Bär-Lauches keine Brutzwiebeln.

Die Zwiebel Zwiebel mit Tochter-Zwiebel
* 3 Zwiebelgenerationen: Die Zwiebel aus dem Vorjahr umhüllt als abgestorbene Haut die Mutter- und Tochterzwiebel. Die Mutterzwiebel mit ihren 2 Blättern und dem Blütentrieb erneuert sich vegetativ in einer Tochterzwiebel mit zunächst nur einem Blatt. Es handelt sich also hierbei um eine jährliche vegetative Erneuerung der Zwiebel. Eine vegetative Vermehrung findet nicht statt. Die Vermehrung kann nur generativ über die Samenbildung erfolgen.

Blütenstand Scheindolde der dreiteilige Fruchtknoten

Dort, wo der Boden aufgetaut ist, treibt schon im März das erste frische Grün des geschätzten und gesunden Wildgemüses, das in unzähligen Rezepten auch die moderne Jahreszeiten-Küche bereichert. Die frischen jungen Blätter der noch nicht blühenden Pflanzen werden dafür verwendet. Aber Vorsicht beim Sammeln! Schnell riechen die Finger so nach Lauch, dass auch mit diesem Geruchs-Trick eine gewisse Verwechslungsgefahr mit dem Maiglöckchen und der Herbstzeitlose besteht. Wer sich nicht sicher ist, sollte jemanden fragen der sich damit auskennt.
Im Herbst können die kleinen länglichen Zwiebeln wie Knoblauch verwendet werden.
An geeigneten Stellen kann der Bär-Lauch durchaus auch im eigenen Garten angepflanzt werden, wo er ausdauernd wächst, sofern man ihn nicht im Frühling kahl erntet.

Aber auch als Heilpflanze steht der Bär-Lauch dem Knoblauch in nichts nach. Wie dieser ist auch er sehr hilfreich bei Verdauungsstörungen mit Blähungen und Bauchkrämpfen, weil er die Verdauung anregt, galletreibend und antibiotisch wirkt.
Eine blutgefäßerweiternde und der Arteriosklerose vorbeugende Wirkung sei nachgewiesen, Blutdrucksenkung und Schlafförderung ebenfalls.
Wäre da nicht die eine Nebenwirkung, die beim Bär-Lauch zwar etwas weniger ausgeprägt ist als beim Knoblauch, aber dennoch fatale Folgen im sozialen Zusammenleben mit anderen Menschen haben kann: Die Körperausdünstung. Nach einem ausgiebigen Genuss von Bär-Lauch, ist man leider für ca. 24 Stunden nicht mehr gesellschaftsfähig.

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