Der Borretsch

Borago officinalisL.

Borago officinalis

Was am Borretsch besonders fasziniert, ist die außergewöhnlich gestaltete Blüte, die wir ab Juni bis August in nahezu jedem Bauern- oder Kräutergarten studieren können:
So borstig behaart wie die Stängel und Blätter ist auch der fünfzipflige Kelch.
Die Blütenkronblätter bilden einen wunderschönen 5-Stern und sind untereinander und mit 5 sog. Schlundschuppen verwachsen.
Aus der verdickten Basis der 5 schwarzen Staubblätter ragt  je ein leicht gebogener  und an der Spitze lilafarbener zahnartiger Fortsatz. Diese eigenartigen Gebilde - deren Aufgabe ich noch nicht herausfinden konnte - und die Staubblätter bilden einen Kegel, der aus der Mitte der nach unten nickenden Blüte ragt. Bienen und Hummeln müssen von unten an die Blüte heran fliegen, um an den reichlich bereitgehaltenen Nektar zu kommen. Mit ihren Krallen finden sie an den Schlundschuppen Halt  und dabei rieselt der Pollenstaub aus dem Kegel auf den Leib des Insektes.
Erst nachdem die Staubblätter ihre Pollen freigegeben haben und verwelkt sind, schiebt sich durch den Staubblatt-Kegel der Griffel und öffnet seine Narbe, die erst jetzt empfängnisbereit für Pollen ist. Wenn nun wieder ein Insekt diese Blüte besucht und Pollen aus einer anderen Blüte mitbringt, findet eine Fremdbefruchtung statt.


Der Griffel schiebt sich durch den Staubblatt-Kegel und öffnet seine Narbe...

Im oberständigen Fruchtknoten wachsen 4 Nüsschen heran. Im reifen Zustand sind diese schwarzbraun und hart und mit einem Eiweißanhängsel ausgestattet, das Ameisen als Nahrung schätzen und deshalb die Nüsschen über weite Strecken verschleppen. Diese Art der Samenverbreitung beobachten wir bei vielen Pflanzen und wird Myrmecochorie genannt.

Die ursprüngliche Heimat dieser einjährigen, krautigen Pflanze aus der Familie der Boraginaceae ist der Mittelmeerraum. Angeblich kam sie im späteren Mittelalter als Heilpflanze in die Gärten nördlich der Alpen, aus denen sie selten auswildert.

In der Küche scheint Borretschkraut umstritten zu sein, die einen mögen es, die anderen nicht. Tatsächlich sollte es auch nur in sehr geringen Mengen und auch nicht oft als Gewürz zum Einsatz kommen, da der Gehalt an Pyrrolizidinalkaloiden mit der Zeit lebertoxisch und krebserregend wirken kann.

Mit ihrer borstigen Behaarung ist der Kieselsäuregehalt dieser Heilpflanze geradezu auf den Leib geschrieben. Sie wirkt entzündungshemmend und wird bei Harnwegsentzündungen, Entzündungen der Atemwege und als Umschläge bei Entzündungen der Haut eingesetzt. Den Stoffwechsel soll der Borretsch anregen, die Nerven beruhigen.

"Die Blätter des Borretsch, im Wein zu sich genommen, machen Männer und Frauen froh und glücklich, vertreiben Trauer, Langeweile und Melancholie..."

John Gerard 

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