Die Sibirische Schwertlilie

Iris sibirica L.

Iris sibirica, Blüte, Blatt, Blütenknospe

Iris sibirica, Nervatur auf dem HängeblattJedes Jahr, zur Zeit der Schneeschmelze in den Alpen, trat der Bodensee über seine Ufer und überschwemmte zeitweise die ufernahen Flächen. Auf diesen konnten die Bauern kein gutes Futtergras für das Vieh ernten, da die Böden feucht und staunass waren. Riedgräser und Schilf gewannen die Oberhand. Höchstens einmal im Jahr, im Spätherbst, wurden diese Riedwiesen gemäht und das Schnittgut als Einstreu in den Viehställen verwendet. Daher kommt der Begriff „Streuwiesen“. Weil diese immer seltener werden, ist auch die Sibirische Schwertlilie sehr selten geworden, denn genau diese Streuwiesen, auf etwas kalkhaltigen, lehmig-tonigen, feuchten bis nassen, hin und wieder kurzzeitig überschwemmten Böden, sind ihre bevorzugten Standorte.
Sehr vereinzelt gibt es um den Bodensee noch Reste dieser Streuwiesen wie zum Beispiel das Eriskircher Ried, wo jedes Jahr, Ende Mai die Iris-Blüte nicht nur die bestäubenden Hummeln, sondern auch viele Naturfreunde anlockt.

Iris sibirica L. ist eine mehrjährige Staude. Am Ende eines kriechenden Sprosses treiben alljährlich neu die schmalen, schwertförmigen und ca. 60 cm langen Blätter aus. Der runde, Blüten tragende Stängel wird ca. 1 m hoch. Aus den Achseln von pergamentartigen, braunen Hochblättern entspringen die Blütenstiele. Die besonders schöne, lilafarbene Zeichnung auf den Hängeblättern der Blüten wird „Saftmal“ genannt und dient den Insekten als „Wegweiser“ ins Blüteninnere und zum Nektar.
Aus dem unterständigen Fruchtknoten entsteht eine braune, dreikantige und innen mit drei Kammern ausgestattete Kapselfrucht. In ihr reifen zahlreiche Samenkörner, die im Herbst ausgestreut werden und vielleicht schon bald von einem erneuten Hochwasser weiter verbreitet werden.

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