Der Schlaf-Mohn

Papaver somniferumL.

Papaver somniferum Kapsel und Blüte

Trotzdem es sich um einen Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz handelt, sieht man den Schlafmohn gelegentlich in Bauerngärten gedeihen.
Die einjährige krautige Pflanze wächst im Juni schnell bis über einen Meter in die Höhe und bildet am oberen Ende des Stängels eine dicke, bodenwärts geneigte Knospe, die genauso unfreundlich grau-grün gekleidet ist wie die Blätter und Stängel. Wenn im Juli und August die Hülle der Knospe platzt und die zwei Hüllblätter zu Boden fallen, kommt eine zunächst zerknitterte rosa – lilafarbene Blüte zum Vorschein, die sich während ihrer Entfaltung aufrichtet. Nach wenigen Stunden sind die Staubblätter von Bienen und anderen Insekten regelrecht abgeweidet, der große Stempel mit seinen sternförmig angeordneten Narben ist befruchtet und oft schon am Tag darauf fallen auch die 4 Blütenblätter wieder ab. Der Stempel schwillt zu einer relativ großen grünen Kapselfrucht an, in deren Kammern zahlreich die kleinen noch weißen Samenkörnchen heranreifen. Ende September und im Oktober, die Kapseln sind inzwischen braun und ausgetrocknet, haben sich an deren oberen Rand Öffnungen gebildet, aus denen die inzwischen grau-schwarz gereiften Samen ausgestreut werden.
Diese Mohnsamen sind eine begehrte Zutat zu verschiedenen Backwaren. Die Kapseln werden gerne in Trockengestecken verwendet.

Die kleinen Samen, oder die zierenden Kapseln machten den Schlaf-Mohn nicht zu einer der ältesten Kult- und Kulturpflanze der Menschheit, sondern der weiße Milchsaft, der aus den grünen unreifen Kapselfrüchten austritt, wenn diese angeritzt werden. Dieser gesammelte und getrocknete Milchsaft ist das Rohopium.
Ob die Menschen ca. 6000 v. Chr. die Wirkung dieses Milchsaftes nutzten, ist nicht sicher, doch die Verwendung des Schlafmohnes als Nutzpflanze konnte nachgewiesen werden. Mit Sicherheit wurde im alten Griechenland Opium aus den Mohnkapseln gewonnen und zu kultischen und medizinischen Zwecken genutzt. Nyx, die Göttin der Nacht, Morpheus, der Gott des Schlafes und des Traumes und Thanatos, der Gott des Todes wurden durch die Mohnkapsel symbolisiert.
1803 - 1804 gelang es Friedrich Wilhelm Adam Sertürner in Paderborn, Morphin aus der Droge Opium zu isolieren. Er benannte das gefundene Alkaloid „Morphium“ nach dem griechischen Gott Morpheus. Im Jahre 1827 begann die deutsche Firma Merck mit der industriellen Produktion von Morphin.
Der Pflanzliche Wirkstoff Opium lies zwei Kriege aufflammen. Mit dem Ersten Opiumkrieg (1839–1842) begann die „Neuere Geschichte“ Chinas. Mit militärischer Gewalt der europäischen Großmächte, wurde der Opiumimport zur Durchsetzung der kolonialen Wirtschaftsinteressen und die Öffnung Chinas erzwungen. China musste den Drogenhandel zulassen und Hongkong an England abtreten.
Durch den Zweiten Opiumkrieg (1856–1860) wurde unter anderem die Legalisierung des Opiumhandels und -konsums in China erneut erzwungen.
Seit 1952 wird Morphin auch synthetisch produziert.

Morphin ist ein zentral wirkendes Schmerzmittel, es wirkt ebenfalls sedierend und in höheren Dosen wirkt es dämpfend auf das Atemzentrum. Es lähmt die Peristaltik des Verdauungstraktes und führt bei längerem Gebrauch zu Verstopfung.
Opium Tropfen werden gelegentlich noch bei schweren Durchfällen angewendet und Codein, ebenfalls einer der Wirkstoffe dämpft im Gehirn den Hustenreiz.

Beim Anblick des Schlaf-Mohnes im Garten kann erahnt werden, dass Leid und Segen nahe beieinander liegen können.

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