Der Huflattich

L.

Tussilago farfara

Der Huflattich dürfte der erste Vertreter der Korbblütengewächse im Frühjahr sein, denn oft schon ab Februar erstrahlen seine gelben Blütenstände in der Frühlingssonne.

Tussilago farfaraIn mehreren Reihen stehen die verhältnismäßig langen und sehr schmalen Zungenblüten. Sie sind weiblich und jede von ihnen bildet eine Frucht (Achäne) mit einem borstigen Haarkranz, der Papus genannt wird. Die Röhrenblüten in der Mitte sind zwittrig angelegt, jedoch bilden sie nur Pollen, keine Samen. Die an den Spitzen rötlich überlaufenen Hüllblätter sind zahlreich, schmal und einreihig angeordnet.
Die Blütenkörbchen öffnen sich bei schönem und trockenem Wetter und schließen sich am Abend und bei Nässe wieder, bis sie dann im Verblühen geschlossen bleiben. Bienen und Fliegen befruchten die Blüten. Die Samen werden vom Wind verbreitet.
Der Huflattich ist ein Lichtkeimer, wie viele andere Korbblütengewächse auch, das heißt, dass die Samen nur unter Lichteinfluss keimen können.
An den ca. 5-15 cm hoch werdenden Blütenstängeln, die je ein Blütenkörbchen tragen, finden wir Schuppenblätter wechselständig angeordnet. Stängel und Schuppenblätter sind flaumig, weißfilzig behaart.
Erst nach der Blütezeit erscheinen die Grundblätter des Huflattichs. Ganz flaumig, weißfilzig erscheinen sie, die Oberseite verkahlt aber bald und wird dunkelgrün und ledrig, wogegen die Unterseite ihren weißfilzigen Flaum behält. Die herzförmigen Blätter sind gestielt und werden etwa handgroß.

Der Huflattich ist eine Pflanze des Brachlandes: Ödland, brachliegende Äcker, Wegränder, Bahndämme, Uferböschungen und Schuttplätze sind sein Revier. Dort wo der Boden feucht und kalkhaltig ist, bildet er individuenreiche Bestände.

Die Heilwirkung des Huflattichs wurde schon sehr früh beschrieben. Die Blüten, noch mehr aber die Blätter werden auch heute noch als Hustenmittel und bei Schleimhautreizungen in Mund, Rachen und Magen verwendet. Dabei sind die Blätter, die in der Sonne gedeihen reicher an Inhaltsstoffen: Pflanzenschleime, Gerbstoffe, Bitterstoffe, Flavonoide. Pyrrolizidinalkaloide, die in den Blättern enthalten sind, bringen jedoch eine bedenkliche Nebenwirkung mit sich -Leberschädigung und eine krebserregende Wirkung kann nicht ausgeschlossen werden. Auf keinen Fall sollte deshalb die Droge über längeren Zeitraum angewendet werden. Schwangere und Mütter während der Stillzeit sollten gänzlich die Finger vom Huflattich als Heilpflanze lassen.

Wenn Sie im Februar oder März erkältet sind, dann gehen Sie an den Tagen, an denen der Huflattich erblüht gut gekleidet hinaus in die frische Luft und erfreuen Sie sich an den ersten duftenden Blütensonnen im Jahr. Diese Heilwirkung wird keine Nebenwirkungen haben.

"Pflanzen kommunizieren direkt mit unserem Immunsystem und unserem Unbewussten, ohne dass wir sie auch nur berühren müssten, geschweige denn schlucken. Diese faszinierende Interaktion zwischen Mensch und Pflanze, welche die Wissenschaft erst allmählich zu verstehen beginnt, ist von großer Bedeutung für Medizin und Psychotherapie. Sie hält uns körperlich sowie psychisch gesund und beugt Krankheiten vor. In Zukunft muss die Begegnung mit Pflanzen eine wichtige Rolle bei der Behandlung von körperlichen Erkrankungen und psychischen Störungen spielen. Es darf keine Klinik ohne Garten oder Zugang zu Wiesen und Wäldern mehr geben, keine Siedlung ohne Naturflächen und keine Stadt ohne Wildnis.“

Clemens G. Arvay

 

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