Die Kerzen-Palmlilie

Yucca gloriosa  L.L.

Yucca gloriosa und Sofonias Theuß

24. Oktober 1915: In Buxières holte ich im Weinberg zwei Ableger einer Palmenart, der Yucca gloriosa. Damals, als ich im Schlossgarten die schwarzen Kirschen auf dem Kirschbaum aß, entdeckte ich die stattliche Palme, die drei Blütenstängel ausgetrieben hatte. Sie waren damals noch ungleich entwickelt, aber ich hatte erkannt, dass hier etwas Schönes entstehen konnte. Wenn mich dann im Juli mein Weg nach Buxières führte, so besuchte ich jedes mal diese Palmenpflanze. Die drei Blütenstängel wuchsen immer weiter und eines Tages hatten sich die reinweißen Blüten zu riesigen Maiblumenglocken entwickelt. An diesem Blütenzauber konnte ich mich nicht satt sehen. So ging ich täglich zu jener Stelle, wenn es mein Dienst irgend erlaubte. Jetzt, im Herbst, als zwei kleine Pflanzenableger aus dem Boden ragten, mit fünf oder sechs Blättern und einer Länge von zwanzig Zentimetern, grub ich diese kleinen Pflanzen sorgfältig aus der Erde, schnitt sie am Tiefpunkte am Mutterstamm und am Wurzelballen ab und nahm sie mit zu meiner Waldhütte. Auf der ganzen Gemarkung Buxières konnte ich kein weiteres Exemplar dieser Pflanze finden. Bei meinen Auslandsreisen nach China und Südwestafrika hatte ich viele Palmenarten angetroffen, aber eine Palme in blühendem Zustand, mit diesen höchst vollendeten Blüten, war mir kaum begegnet. Beide Palmenstecklinge verpackte ich sorgfältig in feuchtem Moos, legte sie in eine Feldpostschachtel, die ich am 26. Oktober 1915 meinen Eltern in die Heimat schickte zur weiteren Behandlung und Pflege...

Sofonias Theuß

Seit dieser Zeit werden die Nachkommen dieser Yucca aus Buxières in unserer Familie gepflegt und vermehrt, wie auch hier in meinem Garten - zu Ehren meines Urgroßonkels Sofonias Theuß.

Der deutsche Gattungsname ist in die Irre führend, denn es handelt sich weder um eine Palme, noch um eine Lilie. Yucca gehört zur Familie der Spargelgewächse (Asparagaceae) und zur Unterfamilie der Agavengewächse (Agavoideae). Sie wurde vom schwedischen Botaniker Carl von Linné 1753 beschrieben. Im Südosten der USA ist ihre ursprüngliche Heimat auf trockenen eher sandigen Böden.
Bei uns ist sie nur bedingt winterhart. Sie ist empfindlich gegen Winternässe, bei Trockenheit können die Temperaturen auch minus 15°C unterschreiten.
Hin und wieder sieht man die Pflanze bei uns als Kübelpflanze in Kultur. Die nadelspitzen Blätter sind dabei für Kinderaugen nicht ungefährlich.
Die Blätter dienten der Fasergewinnung, für Textilien, Seile, Matten oder Körbe. Dass verschiedene Pflanzenteile gekocht auch essbar sind, ist eher nicht mehr bekannt, obwohl die Verwandschaft zum Spargel dieses nahelegt.

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