Das Gesetz der Ordnung

Taxonomie

Marienkäfer startet

Seitdem die Menschen begannen untereinander zu kommunizieren, existiert wohl das Bedürfnis die Dinge in unserer Umwelt zu benennen. Hierfür ist jedoch notwendig, dass gleichartige Dinge als solche erkannt und von anderen, davon abweichenden Dingen, unterschieden werden. Vermutlich haben diese Bemühungen ihre Wurzeln in der griechischen Kultur des klassischen Altertums. Denn schon aus jener Zeit stammen die Begriffe „eidos“ (das zu sehende / die Gestalt / die Idee / die Art) und „genos“ (eine Verwandtschaft innerhalb einer Familie). Platon (427 bis 347 v. Chr.) und sein Schüler Aristoteles (384 bis 322 v. Chr.), die zu dieser Zeit wirkten, waren überzeugt, dass jede Gestaltung eines Individuums aus einem übergeordneten „eidos“, also einem übergeordneten Bild oder einer Idee, entsteht.
Kein Frühlings-Enzian ist wie der andere und dennoch erkennen wir jeden als Frühlings-Enzian, weil jeder dem übergeordneten Bild des Frühlings-Enzians entspricht. Es handelt sich um die Art des Frühlings-Enzians. Arten mit ähnlichen Merkmalen vereinigen sich zum „genos“, also in unserem Beispiel zur Gattung der Enziane.
Erst durch Carl von Linné (Linnaeus Carl, 1707-1778) wurden diese Bemühungen zur wissenschaftlichen Systematik und die sogenannte binäre Nomenklatur setzte sich durch. Seitdem hat jede Pflanze zwei Namen, wie auch ein Mensch einen Namen und einen Vornamen hat. In unserem Beispiel des Frühlings-Enzians ergeben sich hieraus der Gattungs-Namen „Gentiana für Enzian und das sog. Art-Epitheton „verna für Frühling. Gentiana verna ist also eine von vielen Enzianarten. Alle Enzianarten (Gentiana verna, Gentiana acaulis, Gentiana lutea, Gentiana…) werden in der Gattung der „Gentiana“ (die Enziane) zusammengefasst und alle Gattungen (Gentiana, Gentianella, Centaurium, Swertia, Lomatogonium) wiederum vereinigen sich in der Pflanzenfamilie „Gentianaceae (die Enziangewächse).
Hinter dem zweiteiligen botanischen Namen wird das Kürzel des Autors gesetzt, der die erste allgemein gültige Beschreibung der Art veröffentlicht hat, das ist häufig das Kürzel L. für Linné.

Die hier geschilderte und praktizierte Gliederung der Pflanzen in Familie (familia), Gattung (genus) und Art (species) stellt nur einen kleinen Ausschnitt der gesamten taxonomischen Kategorien des Pflanzenreiches (regnum) dar.

Taxon ist griechisch und bedeutet‚ (An-)Ordnung, Rang. Taxonomie ist das Gesetz der Ordnung. Hierüber darf jedoch nicht vergessen werden, dass es sich dabei um „von Menschen erdachte Annäherungen an die Realität der Natur“ (Chris Stringer) handelt.

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