Die kleine Wiese des St. Barholomäus

Pratulus St. Bartholomaei

Aus einer Rasenfläche soll eine Blumenwiese werden. Hier haben Sie die Möglichkeit diesen Prozess Schritt für Schritt zu verfolgen und vielleicht erfreuen auch Sie sich an den vielen Geschichten, die sich in einer Blumenwiese abspielen.
Haben auch Sie eine geeignete Fläche, auf der sich solche Wunder des Lebens offenbaren könnten?

Warum wir Rasen zu Blumenwiesen umwandeln sollten


Aktuelles:


06. Juli 2019

Wo Nelken blühen, sind auch Schmetterlinge.
Ein Braunkolbiger Braun-Dickkopffalter (Thymelicus sylvestris) an den Kartäuser-Nelken...


Klicken Sie unten auf einen Monat, wenn Sie erfahren möchten, wie der Stand der Entwicklung unserer Wiese in diesem war.
Wenn Sie die ganze Entwicklung lesen möchten, beginnen sie mit "Januar 2019".

2019
Januar - Februar - März - April - Mai - Juni - Juli - August - September  -Oktober - November - Dezember

Januar 2019

Gedanken reifen zur Initiative:

... Lassen Sie doch Ihrer Fantasie einmal freien Lauf und freuen Sie sich an den inneren Bildern, wie im Vorfrühling die zarten Elfenkrokusse im „Rasen“ die ersten Bienen anlocken, gefolgt von Primeln und Schlüsselblumen und natürlich auch von Gänseblümchen und hier und da einer Gruppe Narzissen, die durch den verspäteten Schnee zu Ostern zu uns herüber lächeln, so dass wir die Hoffnung auf einen holden Mai nicht verlieren. Dann kommt die Zeit der Margerite, des Wiesenbocksbarts, des Wiesensalbeis, der Glockenblume… und mit ihr auch die vielen Schmetterlinge, Bienen und Hummeln. Wunderschöne Gräser wiegen sich im Wind, dazwischen purpurfarben die Nelken des Sommers, der Dost, die Schafgarbe… Eine Eidechse huscht in den aromatisch duftenden Thymian, das Johanniskraut kündet Johanni, die Sommersonnenwende an und eine Heuschrecke oder eine Grille zirpt ihr fröhliches Lied dazu: „es ist Sommer und es ist wunderschön hier in Röhrenbach“. –
Vorausgesetzt, das unsägliche Rasenmähen wird unterlassen, das alles, nicht nur diese Illusion wöchentlich zerhäckselt...

"... Die unterschiedlichen Geschöpfe spiegeln in ihrem gottgewollten Eigensein, jedes auf seine Art, einen Strahl der unendlichen Weisheit und Güte Gottes wider. Deswegen muss der Mensch die gute Natur eines jeden Geschöpfes achten und sich hüten, die Dinge gegen ihre Ordnung zu gebrauchen." 

Papst Franziskus
ENZYKLIKA LAUDATO SI‘ (ext.)

 

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Februar 2019

Die Initiative findet Gehör und Zustimmung:

Am 24.02.2019 reift der Beschluss die bestehenden Grünflächen um die Kirche in Röhrenbach neu zu gestalten. Zunächst soll auf einer Teilfläche (ca. 500 m²), probeweise die Rasenfläche in eine Blumenwiese umgewandelt werden.

Der Rasen im Februar

Ob Rasen oder Wiese, im Februar, nachdem die Schneedecke abgeschmolzen ist, sieht es für gewöhnlich trist aus und die Sehnsucht nach den ersten Frühlingsboten wächst. Aber die Suche bleibt hier erfolglos.
Das soll sich ändern.
Die Planung der Umsetzung beginnt.

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März 2019

Vom Rasen zur Blumenwiese, es gibt mehrere Optionen:

Wiesenblumen mögen keinen Stickstoffdünger. Die Rasenflächen um die Kirche wurden nun schon jahrelang regelmäßig gemäht, der Rasenschnitt wurde abtransportiert und es wurde nie gedüngt. Das kommt unserem Vorhaben nun zugute. Der Boden ist mit den Jahren  ausgezehrt, so dass er nicht künstlich abgemagert werden muss. Die Grasnarbe des vorhandenen Rasens ist inzwischen lückig und es haben sich verschiedene "Rasenunkräuter" angesiedelt.

Die lückenhafte Grasnarbe und eine durch den Rasenmäher stark  geschundene Baumwurzel (Bild oben).

Blattrosetten der Margeritten

Doch bei genauerer Betrachtung entpuppen sich die "Unkräuter" als Wiesenblumen. Die Blattrosetten der Margeriten (Bild oben) ducken sich unter den schnell rotierenden scharfen Messern des Rasenmähers weg. Schon seit Jahren fristen sie so ein blütenloses Dasein, ohne dass überhaupt jemand ihre Anwesenheit bemerkt hat.

Eine Königskerze im Rasen (Bild oben) ist chancenlos, will sie doch im 2. Jahr hoch hinaus um zu blühen und um Samen zu bilden bevor sie abstirbt.
Obwohl der Kriechende Günsel (unten links) und die Schlüsselblume (unten rechts) schon früh erblühen würden, kahm ihnen der Rasenmäher immer zuvor, so dass auch sie seit Jahren ein Blumenleben ohne Blüten fristen mussten.

Hätte man sie alle einfach mal wachsen lassen, wären sie Blumen geworden und die Blumenwiese wäre schon da. Somit wäre die 1. Option der Umsetzung auch schon beschrieben, nämlich nichts tun, Kostenfaktor: 0 €. Der zunächst sich selbst überlassene Rasen würde schon im ersten Jahr Blüten hervorbringen. Welche das neben den oben bereits entdeckten noch sein würden, bliebe jedoch spannend. Doch der ungemähte Rasen würde womöglich bei der Bevölkerung ohne entsprechende Aufklärung auf Ablehnung stoßen.

Die 2. Option - Artenanreicherung:
Wie 1. Option, aber Artenanreicherung durch Auflockerung der Grasnarbe und durch Einsaat und Pflanzung.

Die 3. Option - Neuanlage:
Durch das Entfernen des bestehenden Bewuchses und durch die Neueinsaat und Pflanzung käme es zu einer großen Artenanreicherung und bereits im ersten Jahr zu einer bescheidenen Blüte. Erst ab dem 2. Jahr entwickelt sich die Fläche zur schönen Blumenwiese. Über diese Tatsache sollten die Bürger adäquat informiert werden.

Die Entscheidung fiel auf die 3. Option.
Der Auftrag zur Vorbereitung der Fläche wird an einen ansässigen Landschaftsgärtner (Fa. Brunner in Heiligenberg) vergeben, der mit den Arbeiten Ende April starten soll. Die Aussaat und Pflanzung und auch die spätere Betreuung und Pflege der Blumenwiese wird von Michael Feiler ehrenamtlich übernommen.

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April 2019

Der Worte sind genug gewechselt, lasst nun Taten folgen:

Am 16.04.2019 kündigt sich der Gärtner an. Das Wetter ist inzwischen trocken und warm. Höchste Zeit, die im Rasen entdeckten Wiesenblumen vor der Fräse zu retten, sodass sie später auf der Blumenwiese wieder ausgepflanzt werden können.

(Bild oben) Was ist das, eine Glockenblume? Man wird sehen, spätestens wenn sie blüht. Ich grab sie einfach mal aus und bring sie vor dem Umbruch in Sicherheit.

Auch die Margeriten (Bild unten) recken sich zaghaft in die Höhe, bisher wurden sie spätestens in diesem Zustand vom Rasenmäher geköpft.

Auch die zahlreichen Blattrosetten der Witwenblumen (Bild oben), ebenfalls beliebte Wiesenblumen, sind inzwischen gut zu erkennen und werden ausgegraben.

23.04.2019
Mit dem Rasenumbruch wird begonnen:
Die Rasenfläche wird umgegraben und gefräst, danach muss der alte Bewuchs ausgerecht und die Fläche eingeebnet werden, bis ein feinkrümeliges Saatbeet vorbereitet ist.

Die Aussaat, 2 g/m².
Das Saatgut der Gärtnerei Syringa (ext.):
Mischung 04: Trockener Saum (ext.) am Straßenrand,
Sonniger Saum Nr. 2 (ext.) für die mittlere Fläche,
Mischung 08: Halbschattenmischung (ext.) für die Fläche hinter der Kirche.
Danach werden die "geretteten" Pflanzen wieder eingepflanzt.
Am 27.04.2019 ist alles geschafft, bevor eine längere Regenperiode einsetzt. Besser hätte der Start der Blumenwiese kaum sein können.

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Mai 2019


Der Regen hat die feinkrümelige Erde in den Boden rieseln lassen, Steine und Schutt kommen dadurch an die Oberfläche, was aber für die Blumenwiese überhaupt kein Problem ist. Wiesenblumen mögen mageren, durchlässigen Boden, auch wenn das hier eher karg aussieht.

Mindestens 3 Wochen vergehen bis zur Keimung der Wiesenblumensaatmischung, daher sind auch noch keine Keimlinge zu sehen. Nur die gepflanzten Pflanzen zeigen die ersten zaghaften Blüten, wie hier das Frühlings-Fingerkraut (Bild oben).

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Juni 2019


Noch sieht die Fläche aus wie ein steiniger Unkrautacker. Nur die im April gepflanzten Margeriten blühen spärlich. Viele Passanten wundern sich bestimmt kopfschüttelnd. Wer aber genau hinschaut und sich auskennt, der ahnt, dass hier etwas entsteht, was heutzutage selten geworden ist - eine Blumenwiese.

04.06.2019 

Viele unterschiedliche Blattrosetten sind nun auf dem steinigen Boden zu erkennen. Die Bestimmung fällt schwer. Auch einige Ackerunkräuter kommen, wie z.B. die Ackermelde und leider auch die Quecke.



Oben links, die Blattrosette des Salvia pratensis L. Die typische  kreuzgegenständige Anordnung der Blätter ist deutlich zu sehen.

Die gepflanzten Margeriten (unten) aus dem ehemaligen Rasen, dürfen nach vielen Jahren zum ersten mal blühen.

09.06.2019 Der Bericht im Kirchenblatt erscheint
10.06.2019 Ausgiebiger Regen begünstigt das Wachstum.

14.06.2019

Dianthus carthusianorum L. - Die Kartäuser-Nelke (Bild oben links) bekennt Farbe. Auf sonnigen, mageren und eher trockenen Wiesen ist sie zu Hause und langrüsselige Insekten vor allem aber Schmetterlinge lieben diese intensiv pinkfarbenen Blüten genauso wie ich.

Hypericum21.06.2019 - Johanni

Pünktlich zu Johanni erstrahlen die ersten sonnengelben Blüten am Johanniskraut auf unserer Wiese.

Kennen Sie die Legende dieser weitverbreiteten und faszinierenden Heilpflanze?
Zum Jahanniskraut

26.06.2019
Die Pfingst-Nelke
(Dianthus gratianopolitanus Vill.)
ist eine Pflanze, die in unseren Mittelgebirgen heimisch ist. Sie wächst auf Magerrasen und Magerwiesen und auch auf felsigen Standorten. Leider ist sie inzwischen so selten geworden, dass sie zu den sog. "Arten nationaler Verantwortlichkeit Deutschlands" (ext.) zählt. Das bedeutet, dass die natürlichen Vorkommen der Pfingst-Nelke global gesehen nur in Deutschland relevant sind und Deutschland daher eine besondere Verantwortung für ihr weltweites Überleben trägt...

... und sie blüht auf unserer Wiese in Röhrenbach!

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Juli 2019

04.07.2019:
Die Glockenblumen, aus dem ehemaligen Rasen blühen.


Bild unten:
Im vorderen Bereich entlang er Straße, ist die Pflanzendecke noch lückenhaft. Doch die sehr gut ausgebildeten kleinen Blattrosetten und Polster der speziellen Saatmischung für trockene Säume, werden die Lücken füllen und im nächsten Jahr eine typische Flora entwickeln.

Hinter der Kirche blühen nun vor allem einjährige Blumen, die im kommenden Jahr von den typischen mehrjährigen Wiesenstauden verdrängt und nach und nach aus der Wiese verschwinden werden.

06.07.2019: Der Braunkolbige Braun-Dickkopffalter

Wo Nelken blühen, sind auch Schmetterlinge.
Ein Braunkolbiger Braun-Dickkopffalter (Thymelicus sylvestris) (ext.) an den Kartäuser-Nelken.
Betrachtet man den Entwicklungszyklus (ext.) genauer, dann werden die Probleme der Falter deutlich, die sie in unserer Kulturlandschaft und in unseren Siedlungsräumen haben.

Die Weibchen legen im Spätsommer ihre Eier an den Blattscheiden trockener Grasstängel ab. Nach etwa 20 Tagen schlüpfen die Raupen aus und fressen die Eihülle. Danach spinnen sie sich in einen Eikokon ein, um in diesem zu überwintern. Erst im nächsten Frühjahr beginnen sie an den Gräsern zu fressen. Sie spinnen die Blätter der Gräser zu einer Röhre zusammen und leben und fressen zunächst in ihr geschützt vor Feinden. Die Verpuppung findet in einem lockeren Gespinst zwischen Grashalmen statt. Nach ca.15 Tagen schlüpfen die Falter.

Doch leider kommt es nur sehr selten dazu, denn auf den Wiesen der Landwirtschaft kommt mindestens 4 x das Mähwerk, der Häcksler und die Gülleflut und in unseren Siedlungen wöchentlich der Rasenmäher. Eier, Raupen, Kokon, Puppen und vieles andere werden dabei zerstört. Es ist also nicht nur die Landwirtschaft für den Insektenrückgang verantwortlich.
Vor diesem Hintergrund wird verständlich, weshalb unsere Wiese nur ca. 2 x im Jahr und nur per Sense oder Balkenmäher gemäht werden soll und weshalb Feld- und Wegränder in der Agrarlandschaft wertvolle Rückzugsflächen und Korridore sein könnten.

08.07.2019:
Vom Kirchengemeinderat bekommt unsere kleine Blumenwiese ein Infoschild, das u. A. auf diese Internetseite hinweist.

14.07.2019:


Der Klatschmohn ist keine Wiesenblume, sondern wächst an Feldrändern und auf Brachland. Er wird schon im nächsten Sommer auf unserer Wiese kaum noch blühen. Aber jetzt ist er hübsch und im blumenarmen Juli eine willkommene Pollenquelle für Insekten.

die Kornrade

Und auch die Kornrade ist eine Blume des Feldes und des Feldrandes und auf unserer Wiese nur ein vorübergehender Gast.

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www.camerabotanica.de