Die Pflege einer Blumenwiese

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Hier geht es nicht um Empfehlungen für landwirtschaftlich genutzte Wiesen, sondern um das Vorgehen auf Flächen in Siedlungsräumen, auf Blumenwiesen statt Rasen.

Bevor wir eine Blumenwiese pflegen wollen, müssen wir sie verstehen. Deshalb ist es unerlässlich darauf zu schauen, unter welchen Bedingungen die Blumenwiese entstanden ist und durch welche Maßnahmen wir heute dabei sind diesen Lebensraum zu verlieren. Im Kapitel über die Geschichte der Wiese bin ich darauf eingegangen.

Rasenmäher, Mulcher, Motorsensen, Kantentrimmer, Laubsauger Pflanzenschutzmittel und Dünger kommen demnach auf einer Blumenwiese nicht zum Einsatz! Es macht schließlich keinen Sinn viele Wiesenbewohner in eine Blumenwiese zu locken, um sie dann zu eliminieren.

Ein kluger Gärtner weiß genau, was er zu tun und vor allem, was er zu lassen hat und in der Blumenwiese geht's hauptsächlich um's "lassen".
Da gibt's nur zwei Pflegemaßnahmen, die zwei mal jährlich zum richtigen Zeitpunkt durchzuführen sind: Das Mähen und das Abrechen des Mähgutes:

Ende Juni, wenn die gelben Köpfchen der Margeriten bräunlich werden und die hohen Gräser bereits blühen, deren Samen aber noch nicht ausgereift sind, sorgt die erste Mahd im Jahr dafür, dass das Sonnenlicht wieder bis zu den bodennahen Blattrosetten der nach Licht und Wärme schmachtenden Wiesenstauden und Kräutern vordringen kann.
Diese Arbeit kann in aller Ruhe (im wahrsten Sinne des Wortes) mit der Sense geleistet werden, die sich bereits seit 4000 Jahren bewährt und nicht in Vergessenheit geraten sollte. Dabei kann man sich auch ruhig einige Tage Zeit lassen, denn alles auf einmal abzumähen wäre gar nicht gut. Die frühen Morgenstunden, wenn durch die Feuchtigkeit der Nacht die Grashalme noch geschmeidig sind, das Sonnenlicht sanft die Landschaft erhellt und die Vögel ihren fröhlichen Gesang zum besten geben, ist dazu die geeignetste und schönste Zeit.
Schade eigentlich, dass wir uns solche Zeiten nicht mehr gönnen, denn Zeit ist Geld. In solchen Fällen und wenn die Fläche dann doch zu groß sein sollte, kann natürlich auch ein Balkenmäher zum Einsatz kommen. Der macht zwar einen Höllenlärm, schneidet aber das Gras nur unten ab ohne es in einem Luftstrom einzusaugen und zu häckseln, wie das bei Rasenmähern, Mulchgeräten etc. der Fall ist. Die Schnitthöhe darf ruhig auf 10 cm eingestellt sein.

Dass Schnittgut sollte auf der Fläche getrocknet werden, im Idealfall wird daraus Heu, das in irgendeinem Stall Verwendung findet. Andernfalls wird es abtransportiert und kompostiert.



Auf keinen Fall soll es auf der Wiese liegen bleiben, da darunter die Wiesenblumen ersticken würden. Nur Gras käme recht schnell durch diese Mulchschicht ans Licht. Die Wiese würde mit Nährstoffen angereichert, was wiederum dem Graswachstum Vorschub leisten und die Wiesenblumen dadurch verdrängen würde.

Der Zeitpunkt des zweiten Schnittes ist nicht mehr ganz so genau festgelegt wie der des ersten. Je nach Vegetation und Witterung sollte dieser im September, spätestens Mitte Oktober auf die gleiche Weise wie oben beschrieben erfolgen. Allerdings wäre es wünschenswert, würde nicht die ganze Fläche gemäht.

Wenn möglich, sollte ein Drittel oder wenigstens ein Streifen als sog. Altgrasbestand über den Winter stehen bleiben, der dann erst im kommenden Jahr zusammen mit dem ersten Schnitt gemäht wird. Solche Altgrasbestände sind existentiell wichtig für viele Wiesenbewohner, nicht nur für die meisten Falter, deren Eier, Raupen oder Puppen an Grashalmen solcher Bestände überwintern (Beispiel).
Würde jedoch die gesamte Fläche im Herbst nicht gemäht, hätte das wiederum negative Auswirkungen auf die Artenvielfalt der Blumenwiese. Aus diesem Grund ist es auch wichtig den Altgrasbestand jeden Herbst an einer anderen Stelle stehen zu lassen.

Da nun die Blumenwiesen in unseren Siedlungen auch für uns Menschen da sein sollen, könnte man zum Beispiel auch eine Ruhebank mitten in sie hinein stellen und mit dem Mäher (auch das geht mit etwas Geschick mit der Sense) einen schmalen Pfad dorthin anlegen. So könnte man dem bunten Leben in der Blumenwiese ganz nahe kommen und unsere Kinder könnten das hautnah erleben, wofür wir im Schmetterlingshaus auf der Mainau ordentlich Eintritt zahlen müssen. Die Blumenwiese würde zum Ort der Ruhe und Besinnung oder der Geselligkeit mit dem Nachbarn nach Feierabend. Sie ist das kleine Stück Paradies nebenan für Pflanzen, Tiere und Menschen.

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