Der Krokus

Crocus

Crocus tommasinianus 'Ruby Giant'
Crocus tommasinianus Herb. 'Ruby Giant'

Die Gattung der Krokusse, die zur Familie der Irisgewächse zählt, kann zunächst mal in 2 große Gruppen unterteilt werden, da es im Herbst blühende und im Frühling blühende Krokusse gibt. Zu den herbstblühenden Krokussen gehört der berühmte Crocus sativus, der Safran. Aber auch andere, nicht weniger prachtvolle Arten, wie zum Beispiel Crocus cancellatus oder Crocus speciosus und noch viele mehr. Um die herbstblühenden Krokusarten soll es hier nicht gehen, ihnen und vor allem dem Safran gebührt ein eigenes Kapitel.

holländische KrokusmischungCrocus wird für gewöhnlich mit dem Frühling in Verbindung gebracht und man denkt sofort an die großblumigen holländischen Krokusmischungen in den Blumenbeeten. Die meisten von ihnen gingen züchterisch aus den Arten hervor, die auch in unseren Alpen auf Bergwiesen beheimatet sind. Crocus albiflorus oder Crocus vernus trifft man gelegentlich auch nördlich der Alpen und in den Mittelgebirgen, dort handelt es sich dann aber meist um Auswilderungen aus ehemaligen Gartenanlagen.
Auf geeigneten Standorten sind viele Krokusarten durchaus in der Lage, sich auch ohne gärtnerisches Zutun dauerhaft zu behaupten und zu verwildern. Eingebürgerte Pflanzen (Agriophyten) mit dieser Eigenschaft nennt man Stinsenpflanzen und die Krokuswiesen bei Zavelstein (ext.) im Schwarzwald oder die Husumer Krokusblüte (ext.) sind dafür wunderschöne Beispiele. Viele Autoren gehen davon aus, dass anstatt Safran-Krokusse, irrtümlicherweise diese Frühlings-Krokusse in den damaligen Parkanlagen von Schlössern oder Klöstern angepflanzt wurden:
"Wer auch immer die ersten Experimente vorgenommen hat, um Safran zu erhalten - und nur das kann der tiefere Sinn der Anpflanzung sein..."  
Aus der Sicht einer Gesellschaft, in der nur dasjenige eine Daseinsberechtigung zu haben scheint, was schnelle Rendite verspricht, mag diese Aussage plausibel erscheinen. Der Safran-Krokus und die Tatsache, dass nur aus ihm Safran gewonnen werden kann, sind schon seit den alten Griechen und Persern bekannt, er ist schon so lange in Kultur, dass seine ursprüngliche Heimat nicht mehr festgestellt werden kann.
Ich bin davon überzeugt, dass die Mönche, die zur damaligen Zeit unsere Landschaft kultivierten, unsere Kulturpflanzen durch Züchtung veredelten, Heilpflanzenkunde bis zur Perfektion praktizierten und die Schriften der Antike studierten, nicht so dumm waren, dass sie den Frühlings-Krokus mit dem herbstblühenden Safran-Krokus verwechselten.
Sie huldigten mit den Frühlings-Krokussen in ihren Gärten in großer Dankbarkeit dem Schöpfer, weil sie wussten wie wohltuend und heilsam der Anblick von Krokussen im März ist, nach einem langen düsteren Winter. 
Hätte ich einen Park, würde ich Krokusse pflanzen - ganz viele!

Einige Krokusarten stammen aus dem Mittelmeerraum (ext.) oder vom Balkan (ext.) und sind teilweise in unseren Gärten vertreten und dort dauerhaft angesiedelt, so dass sie sich auch generativ über die Samenbildung vermehren.

Der Fruchtknoten einer Krokusblüte befindet sich zunächst unter der Erde. Nur die lange Blütenröhre mit ihrem Griffel und der 3-teiligen Narbe und mit den 3 inneren und 3 äußeren Blütenkronblättern, ragt über den Erdboden, noch bevor die grasähnlichen Laubblätter erscheinen. Erst nach der Blütezeit schiebt sich eine dreikantige grüne Kapselfrucht an die Oberfläche.


Auf einem dünnen Stängel wächst diese 10 bis 20 cm empor, während sie noch an Volumen zu nimmt...

... bis der Stängel das Gewicht der Frucht nicht mehr tragen kann und umkippt.

Das ist kein Missgeschick für den Krokus, sondern wohl kalkulierter Plan: Der Stängel mit seiner inzwischen gereiften Kapsel, die nun ihre drei Kammern voller Samenkörner geöffnet hat, hat sich immer weiter zum Licht hin gestreckt, also weg von benachbarter dichter Vegetation, bis er umkippt und dadurch seine Samen in 10 bis 20 cm Entfernung von der Mutterpflanze entlassen kann und so erobert sich der Krokus in kleinen Schritten das Terrain.


Ein Samenkorn nur wenige Millimeter groß.

Aber auch vegetativ vermehrt sich der Krokus, in dem die Knolle (es ist keine Zwiebel) Tochterknollen bildet, sodass es oft zu büschelartigen Ansammlungen (Horstbildung) von Blüten kommt.

Michael Feiler, 26.01.2019

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